Doppelter Abiturjahrgang

Konfliktpotenzial bei der Planung der Feierlichkeiten

BONN/SANKT AUGUSTIN.  Früher war alles besser? Jedenfalls gab es für Abiturienten schon einmal weniger stressige Zeiten. Nicht nur, dass sie durch den doppelten Abiturjahrgang bald mit viel mehr Anwärtern als jemals zuvor um die begehrtesten Studienplätze konkurrieren, auch die Feierlichkeiten rund um ihren Abschluss müssen stufenübergreifend mit noch mehr Mitschülern koordiniert werden.
Großer Andrang: Schüler der Stufen zwölf und 13 am Clara-Schumann-Gymnasium verkaufen Punsch und Plätzchen beim Weihnachtskonzert der Schule.
							Foto: Horst Müller
Großer Andrang: Schüler der Stufen zwölf und 13 am Clara-Schumann-Gymnasium verkaufen Punsch und Plätzchen beim Weihnachtskonzert der Schule. Foto: Horst Müller

Und da gibt es durchaus Konfliktpotenzial, wie Christian Lang, Sprecher der Stufe 13 am Clara-Schumann-Gymnasium in der Bonner Südstadt, erklärt. Sowohl die Stufe 12, die nun Q 2 (Qualifikationsphase 2) heißt, als auch die 13, wollten auf einmal bei Veranstaltungen wie dem Tag der Offenen Tür oder dem Elternsprechtag, für die Verpflegung sorgen, um ihre Abikasse aufbessern, sagt der 19-Jährige.

"Bislang war das den Dreizehnern vorbehalten", erklärt Lang. In diesem Schuljahr müssen sich die beiden Abschlussjahrgänge den Ertrag teilen. "Jetzt haben wir die Verpflegungsmöglichkeiten weitgehend unter den Stufen aufgeteilt", sagt Lang. Beim Weihnachtskonzert haben die Stufen gemeinsam Punsch und Plätzchen verkauft. Dass die Koordination so gut klappt, ist auch Laura Jans zu verdanken.

Die 20-Jährige ist sozusagen die Schnittstelle zwischen beiden Jahrgängen, ein Amt, das es bislang noch nicht gab. "Ich treffe mich regelmäßig mit Vertretern aus der Stufe unter uns, um solche Dinge zu koordinieren." Sie überbringt den kleinsten gemeinsamen Nenner ihrer 110-köpfigen Stufe an die Q 2. Dort diskutieren wiederum 90 Abiturienten die beste Variante. Zwar werden die Abientlassungsfeier und der Abiball für beide Stufen getrennt durchgeführt, aber es soll nur einen gemeinsamen Abigag geben.

"Wir können ja schlecht zweimal die Schule lahmlegen", sagt Christian Lang. Ein gemeinsames Motto sei aber schwierig zu finden. "Wir hätten gerne die 13 ins Motto integriert, die Zwölfer wollen aber verständlicherweise ihre verkürzten zwölf Jahre bis zum Abitur einbringen. Für uns wäre das Unsinn."

Eine Lösung wollen die Gymnasiasten bald finden. Am Clara-Schumann-Gymnasium sind die Stufen, was das Schulische angeht, bis auf vereinzelte Kurse, vollkommen getrennt geblieben. "Durch die Kooperationen, was die Planungen angeht, sind aber auch stufenübergreifend Freundschaften entstanden", sagt Laura Jans.

Am Nicolaus-Cusanus-Gymnasium in Bad Godesberg hingegen sind die beiden Abschlussjahrgänge schon vor zwei Jahren zusammengelegt worden. Sebastian Henschel (18), der das Abitur nach neun Jahren ablegen wird, ist Stufensprecher einer gemeinsamen Stufe mit rund 120 Schülern. Alle Veranstaltungen vom Abigag bis zur Entlassungsfeier werden gemeinsam geplant und begangen.

Das Abi-Motto steht schon, und mit der Produktion der Abi-Zeitung haben die Schüler gerade begonnen. "Alle Abiturienten können ihre Steckbriefe für die Zeitung online hochladen", erklärt Anastasia Bondar. Obwohl sie das Abitur nach acht Jahren absolvieren wird und einen straffen Zeitplan einhalten muss, engagiert sich die 17-Jährige für die Abizeitung und ist im Abiball-Komitee.

Aber auch für die 13er ist im Moment viel zu tun. Denn: Gerade ist wieder Klausurphase angesagt. "Für manche Vorbereitungen und Besprechungen geht die Mittagspause drauf", sagt Stufensprecher Henschel. Noch heißt es für die angehenden Abiturienten: Zähne zusammenbeißen.

Aber eins ist sowohl am Nicolaus-Cusanus- als auch am Clara-Schumann-Gymnasium sicher. Ob weitgehend getrennt oder gemeinsam geplant wird, an beiden Schulen gilt: Wenn die letzte Klausur geschrieben ist, alles vorbei ist - wird endlich gefeiert.

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