Sturm der Stadtsoldaten

Prinz und Bonna erobern Bonner Rathaus

Ungewohntes Bild im bönnschen Karneval: Die Kavallerie der Stadtsoldaten reitet mit Holzpferden zum Rathaussturm.

Ungewohntes Bild im bönnschen Karneval: Die Kavallerie der Stadtsoldaten reitet mit Holzpferden zum Rathaussturm.

Bonn. Prinz Dirk II. und Bonna Alexandra III. haben das Rathaus gestürmt und den Oberbürgermeister entmachtet. Der hatte lediglich beim Wortgefecht die Nase vorn.

Ein völlig resignierter Oberbürgermeister hat am Sonntag um 15.11 Uhr eingestanden: „Das ist leider mein Ende.“ Diese Kapitulation galt der Übermacht der bönnschen Narren. Was zur Folge hat, dass das Bonner Prinzenpaar bis Aschermittwoch im Alten Rathaus das Sagen hat. Als äußeres Zeichen der Machtübernahme weht jetzt die Fahne der Tollitäten hoch oben auf dem Dach des Amtssitzes von Ashok Sridharan.

„Drei Rathäuser in nur vier Tagen an die Jecken zu verlieren, fällt mir nicht leicht“, sagte der OB, der sich wenigstens des Trosts von Ehefrau Petra sicher sein dürfte. Und dabei hatte sich Sridharan eine listige Taktik überlegt: Zur Verstärkung der Rathausverteidiger hatte er die Bundesliga-Mannschaft des 1. Godesberger Judoclubs auf die Rathaustreppe bestellt. „Ich weiß, dass Bonna Alexandra III. den braunen Gürtel im Judosport trägt. Ich wollte sie zum Zweikampf herausfordern“, sagte der OB. Doch selbst das Muskelspiel der Kampfsportler schreckte die Bonner Stadtsoldaten und die Vertreter des Festausschusses nicht ab. Kommandant Ralf Wolanski und Festausschusspräsidentin Marlies Stockhorst sind so sturmerprobte Haudegen – dagegen sind die Federfuchser und Tintenkleckser des OB machtlos.

OB gewinnt Wortgefecht

Das traditionelle Wortgefecht zwischen den Angriffswellen ging allerdings klar an den Oberbürgermeister. Seine Antworten auf die bohrenden Fragen der Angreifer fielen witzig, spritzig und für den Gegner zermürbend aus. Kostprobe: Auf die Frage von Wolanski: „Wann bekommt die Stadtverwaltung endlich mal was Positives hin und beendet zum Beispiel die Baustelle auf der Römerstraße?“, konterte der OB: „Wir werden erst fertig, wenn die Römer wieder nach Bonn kommen.“ Dann zeigte er die leere Stadtkasse und rief: „Es lohnt sich nicht, ins Rathaus zu kommen. Die Stadt ist pleite.“ Als Beweis hielt er weiße Speckmäuse in die Luft, die er aus der Kasse holte.

Die Redeschlacht war für die Narren verloren. Eine Charmeoffensive von Bonna Alexandra III. und Prinz Dirk II. verpuffte auch kläglich. Und dann kam Marlies Stockhorst, die Queen Mum des bönnschen Fastelovends, auf eine glorreiche Idee: Sie ließ das Publikum mit den Füßen abstimmen. „Soll der OB das Prinzenpaar ins Rathaus lassen?“ Rund 500 Zuschauer johlten laut und feuerten die Tollitäten an. Bibo Mayr, mit 2,22 Metern der längste Stadtsoldat, marschierte voran und stürmte unter dem Gebrüll der Zuschauer ins Rathaus. In diesem Durcheinander gelangten auch Prinz und Bonna auf die Rathaustribüne, entmachteten den OB, reckten den Rathausschlüssel in den Himmel und tranken mit den Eheleuten Sridharan einen Friedensschluck aus dem Silberkelch.

Biwak der Ehrengarde

Vor, während und nach dem Spektakel konnten sich die Gäste beim Biwak der Ehrengarde stärken. Der Vaterstädtische Verein hatte sein historisches Feldlager auf dem Marktplatz aufgebaut und verkaufte Erbsensuppe, Reibekuchen und Bratwürste. Gegen den kalten Wind auf dem Marktplatz half die legendäre Feuerzangenbowle der Ehrengarde. Damit auch richtige Karnevalsstimmung aufkam, hatte Literat Wolfgang Stäblein die Bänd „Die Räuber“ verpflichtet. 40 Minuten lang gab es ein Livekonzert mit vielen bekannten Ohrwürmern der kölschen Mundartband.

„Der anfängliche Regen hat dafür gesorgt, dass sich der Marktplatz leider nur ganz langsam mit Gästen gefüllt hat“, sagte Kommandant Thomas Janicke. Leider blieb es bei diesen Schauern nicht. Ab 16.30 Uhr wurde es richtig nass und der Marktplatz leer.